Schwarzwaldverein Haiterbach e. V.

Ortsgruppe im Bezirk Nagoldtal

Heimatgeschichtliches und Sehenswertes am Weg

Ausgangspunkt des Kuckucks-Weges ist der neugestaltete Marktplatz Haiterbach mit der Laurentius - Kirche. Diese wurde erstmals 1150 erwähnt. Beim Stadtbrand 1554 brannte nahezu der ganze Ort und das Kirchenschiff nieder, der romanische Turm blieb erhalten. Im Chor der Kirche befinden sich Grabstellen der Familie Kechler von Schwandorf; auf dem Kirchplatz die des 1824 verstorbenen Pfarrers Pregizer, der wohl bekanntesten Haiterbacher Persönlichkeit.

Entlang des Haiterbaches sieht man Reste der Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert. Mehrere große Stadtbrände, zuletzt 1896 und kriegsbedingt 1945, zerstörten jedoch die historische Bausubstanz von Haiterbach weitgehend. Am Friedhof vorbei geht es zunächst auf Waldwegen, später dann auf der alten Straße Richtung Unterschwandorf. Von hier bieten sich dem Wanderer schöne Blicke in das Tal des Haiterbaches und auf die Wacholderheiden der Kohlhalde und Sommerhalde gegenüber. An diesen südexponierten Hanglagen haben sich durch extensive Beweidung mit Schafen orchideenreiche Halbtrockenrasen ausgebildet. 1993 wurden diese Trockenbiotope mit ihrem Artenreichtum unter Naturschutz gestellt.

An der mächtigen Linde in Unterschwandorf bietet sich eine kleine Rast mit herrlichem Blick auf das Waldachtal an. Sehenswert ist in Unterschwandorf das Schloß der Freiherren von Kechler, erbaut vom großen württembergischen Baumeister Heinrich Schickhardt. Weiter talabwärts auf der alten Straße nach Nagold liegt der Jüdische Friedhof der 1850 aufgelösten Jüdischen Gemeinde. Ein Brunnen mit der Aufschrift "Dem durstigen Wanderer" bietet dort eine kühle Erfrischung.

Wir folgen dem Kuckucks-Weg talaufwärts im Natur- und Landschaftsschutzgebiet Waldachtal, an Oberschwandorf vorbei bis nach Beihingen.

Der geologisch interessierte Wanderer beobachtet ab dem oberen Ortsrand von Oberschwandorf, daß hier zwei Landschaften aufeinanderstoßen: Das vom Muschelkalk geprägte Hecken- und Schlehengäu im Osten geht in den vom Buntsandstein geprägten Schwarzwald im Westen über. Deshalb treten auch zwei verschiedene Bodenarten auf: roter Boden auf der westlichen, gelbgrauer Boden auf der östlichen Talseite. Die Grenze zwischen Sand und Kalk ist leicht festzustellen: sämtliche Erhebungen tragen eine Kalkhaube, die in ihren untersten Schichten reich an Versteinerungen ist.

Der schöne Dorfplatz in Beihingen, umrahmt von Kirche, Backhaus, Heimatmuseum und der Waldach, bietet sich für eine weitere Rast an. Interessierte finden im Heimatmuseum Beihingen, direkt am Dorfplatz, eine überaus sehenswerte Sammlung aus dem bäuerlich geprägten alten Beihingen.

Am Ortsende in Richtung Haiterbach befindet sich bei der Linde am linksseitigen Straßenrain ein altes Steinkreuz aus dem 15. Jahrhundert. Nach Größe, Bearbeitung und Reichtum der Zeichen und des Dekors zählt dieses zu den schönsten im Lande.

Der Weg führt nun auf Nebenwegen bergan bis auf das Horn. Am Beginn des sonnigen Waldrandweges entlang des Tann, mit herrlichem Blick auf Haiterbach und das Naturschutzgebiet Stauchbachtal, befindet sich eine Sitzgruppe mit Gedenkstein, errichtet zum 100-jährigen Jubiläum der Ortsgruppe Haiterbach.

Die umfangreichen Streuobstwiesen hier sind ein wertvoller Landschaftsbestandteil für Höhlenbrüter, insbesondere Bunt- und Grünspechte. Im Stauchbachtal, geprägt von Feucht- und Naßwiesen, erreicht der Wanderer talaufwärts bald den Weiler Altnuifra. Grabhügel an der Straße nach Neunuifra, kurz vor dem Waldrand links, sind Hinweise auf eine frühere alemannische Besiedelung im Raum Haiterbach.

Über das Industriegebiet Haiterbach und weiter auf einer alten römischen Heerstraße, führt der Kuckucks-Weg wieder nach Haiterbach. Auf diesem letzten Teilstück sieht man besonders schön die für Muschelkalkgebiete typischen Steinriegel und Hecken, die den Lebensraum für Reptilien sowie zahlreiche Insekten und Brutvögel bilden. Die Gewanne Ganzenrain und Lange Morgen sind seit 1993 als Naturschutzgebiet Haiterbacher Heckengäu ausgewiesen.

Dr. F. Schuler, Fachwart für Heimatpflege des Schwarzwaldvereins Haiterbach