Teneriffa
Erlebnisreiches Wandern auf der Insel des ewigen Frühlings
Die größte der sieben Kanarischen Inseln: Teneriffa, liegt im Atlantik ca. 300 km vor der Küste von Marokko und wird von denen, die sie kennen, als „Mini-Kontinent“ bezeichnet. Von Ost nach West, von Nord nach Süd finden sich hier unterschiedlichste Klima- und Landschaftszonen, die durch ihre Kontraste verblüffen. Wo sonst, kann man schon morgens einen Ausflug in verschneite Berge unternehmen und sich nachmittags am Strand in der Sonne aalen? Teneriffa machts möglich. Mächtige Gebirgszüge vulkanischen Ursprungs, im Nordosten das Anaga-Gebirge, im Südwesten das Teno-Gebirge und in der Mitte die Canjadas sowie ausgedehnte Kiefernwälder, prägen das Gesicht der Insel. Der „Teide“ ein Vulkankegel in der Inselmitte, mit 3714 Metern der höchste Berg Spaniens, ist bis in den April strahlend weiß verschneit und kontrastiert gegen den prächtig blauen Himmel. Dazu kommt noch die üppige, ganzjährig blumenreiche Vegetation der nördlichen Küste und eine das ganze Jahr über nahezu konstante Tagestemperatur von 20 bis 26 Grad. Deshalb wurde die „Insel des ewigen Frühlings“ bereits vom römischen Geschichtsschreiber Plinius (40 v. Chr.) auch als Trauminsel bezeichnet, der sie für die Reste des untergegangenen, legendären Kontinents Atlantis hielt. Damals glaubte die Menschheit noch, dass die Erde hinter den Inseln aufhört und dass, wer weiter segelte, von der „Erd-Scheibe“ kippen würde.
Richtig erlebt wohl nur derjenige die wahre Schönheit der Kanarischen Inseln, der sie sich erwandert. Eine 28köpfige Reisegruppe des Schwarzwaldvereins Haiterbach hat sich genau dieses vorgenommen. Mit dabei waren auch Teilnehmer aus den Ortsgruppen Altensteig, Nagold und Wildberg. Vom Standquartier in Puerto de la Cruz an der grünen und steilen Nordküste, brachte der Bus die Wanderer zu den auf der ganzen Insel verstreuten Ausgangspunkten der Tageswanderungen. Unter ortskundiger Wanderführung ging es am ersten Wandertag in das Anaga-Gebirge im Nordosten nach Punta del Hidalgo. 700 Höhenmeter Aufstieg auf steilem Bergpfad führte zu den Höhlenbehausungen von Chinimada und in das einsame Bergdörfchen Las Carboneras.
Das nächste Tagesziel war der Nationalpark del Teide mit den Canjadas in der Inselmitte, einem Riesenkrater mit 14 km Durchmesser, den zu durchfahren schon ein besonderes Erlebnis ist. Wer diese „Mondlandschaft“ einmal gesehen hat, mit ihren verschiedenen vulkanischen Gesteinsarten, ist tief beeindruckt. Aus dem riesigen Canjadas Krater selbst erhebt sich der Vulkankegel des Teide. Eine Seilbahn bringt die Besucher auf eine Höhe von ca. 3500 m, doch die Haiterbacher hatten Pech. Wegen starkem Wind fuhr die Gondel nicht, so dass ersatzweise eine Wanderung am Fuße des Teide unternommen wurde.
Ein Ausflugstag, brachte die Gruppe in die einstige Inselhauptstadt La Laguna mit ihren altehrwürdigen Häusern, der Kathedrale in der bereits die Wagen für die Karfreitagsprozession bereit standen. Auch den bunten und quirligen Markthallen wurde ein Besuch abgestattet. Der Wallfahrtsort Candelaria, wo das Bildnis der Schutzheiligen von Teneriffa der „Virgen de Candelaria“ verehrt wird, war eine weitere Station, bevor die Fahrt zu den Pyramiden von Güimar ging. Der durch seine Atlantiküberquerung mit seinem Papyrusfloß „Kontiki“ bekannte norwegische Anthropologe Thor Heyerdahl, hat die erstaunliche architektonische Übereinstimmung zwischen den Pyramiden Südamerikas und den Pyramiden der Guanschen, den Ureinwohnern Teneriffas, entdeckt.
Ein weiterer Wandertag führte in den Süden in die Umgebung von Arona, oberhalb der Badeorte Playa de las Americas und Los Cristianos sowie in das höchstgelegenen Dorf Teneriffas, in das malerische Vilaflor (1466 m). Seine Landschaftskulisse zählt zu den schönsten der Insel und ist ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderfreunde und Naturliebhaber. Auch der Deutsche Alpenverein hat hier einen Stützpunkt. Trotz seiner Höhe herrscht in Vilaflor ein mildes Klima, sodass hier Mandelbäume gedeihen, die aber „erst“ im März blühen.
Absoluter Höhepunkt der Wanderwoche war jedoch der letzte Wandertag, der die Gruppe durch den „Barranco de Masca“, die berühmte Masca-Schlucht im nordwestlichen Teno-Gebirge führte. Schon die Fahrt entlang der Nordküste, an großen Bananenplantagen vorbei, war beeindruckend. Die sehr schmale Straße windet sich an tiefen Abgründen vorbei, in das kleine, malerische, an die Felsen geschmiegte, Bergdörfchen Masca. Die Wanderung durch die Masca-Schlucht, eine tiefe Rinne im Basalt und Lava des Teno-Gebirges, führt aus ca. 600 m Höhe hinunter an den blauen Atlantik und ist ein ganz besonderes Erlebnis. Senkrechte Felswände, mehrere hundert Meter hoch, scheinen die Wanderer erdrücken zu wollen. Wo große Brocken den Weg versperren, quetscht man sich durch Spalten und überquert das mit dicken Basaltkieseln gefüllte Bachbett. Dann endlich, nach drei Stunden und ungezählten Windungen ist das rauschende Meer erreicht. Nach der verdienten Vesperpause am felsigen Strand, nimmt ein kleines Boot die Wanderer von einem Felsen auf. Man muß den richtigen Zeitpunkt abpassen, wenn eine Welle das Boot hoch hebt ein beherzter Sprung an Deck und der Nächste bitte. An der berühmten Steilküste entlang geht die Schiffahrt nach Los Gigantes, wo der Bus die Wanderer wieder aufnimmt zur Rückfahrt ins Hotel. Der schöne, in einem tropischen Garten gelegene Swimmingpool des Hotels übt seine Anziehungskraft auf die strapazierten Muskeln aus. Bei einer Wassertemperatur von 26 Grad wird er von den Haiterbachern viel genutzt. Eine Woche der Superlativen durfte man erleben, ein Tag so schön wie der Andere, da fällt der Abschied schwer. Besonders wenn die gelegentlichen Telefonanrufe zu Hause die Nachricht von der Rückkehr des Winters in der Heimat bringen. Noch ein paar Tage auf der Insel des ewigen Frühlings, wenigstens bis zu Hause auch der Frühling Einzug gehalten hat, das wäre doch was. Doch ein Blick in das Flugticket sagt, es geht wieder heim. Ein ruhiger Flug, mit einer sehr klaren Sicht auf die tief verschneiten Alpen, auf Genfersee und Bodensee, brachte die Reisegruppe wieder zurück nach Stuttgart.


