Schwarzwaldverein Haiterbach e. V.

Ortsgruppe im Bezirk Nagoldtal

Bergtour

Auf dem Europaweg im Wallis, von Grächen nach Zermatt

Eine 10-köpfige Wandergruppe, unter der Führung von Werner Katz, unternahm eine Wochenend-Bergwanderung auf dem Europaweg, hoch über dem Mattertal, von Grächen nach Zermatt. Der Europaweg wurde 1997 eröffnet, er ist einer der großartigsten Höhenwege der Alpen und bildet die Königsetappe der „Swiss Tour Monte Rosa“. Werner Katz ist ein Hochtouren-Alpinist, er hat schon zahlreiche Viertausender im Wallis bestiegen. Seine Bergtouren beginnen bereits im frühen Morgenlicht, auch wenn es „nur“ über einen Höhenweg und nicht auf einen Gipfel geht. In der Morgendämmerung, die ersten Sonnenstrahlen fielen gerade auf das gegenüberliegende Weishorn (4505 m), wurden die Rucksäcke in Grächen geschultert. Der Wintersportort liegt auf ca. 1600 m Höhe, auf einer Talschulter des Mattertals. Ein Wegweiser informierte die Bergwanderer, dass es 6,5 Stunden reine Gehzeit bis zum Tagesziel Europahütte (2220 m) sind und eine Höhendifferenz von ca. 1100 Höhenmetern überwunden werden müssen.

Bei der Ankunft mit dem Postbus in Grächen

Von Grächen bis zum kleinen Bergdörfchen Gassenried verläuft der Wanderpfad noch relativ flach. Doch dann beginnt ein sehr steiler Anstieg über 700 Höhenmeter, am Rand des Rieder-Gletschers auf den so genannten Grat, zur Statue des hl. Sankt Bernhard, dem Schutzpatron der Bergwanderer. Von diesem markanten Aussichtspunkt war nun auch zum ersten Mal das Matterhorn zu sehen, das sich jedoch leider wie so oft in Wolken hüllte, so dass nur die Spitze sichtbar war.

Vesperpause auf dem Grat, bei der Statue des hl. St. Bernhard

Über ausgedehnte Felsbrüche und Geröllhalden führte der Höhenweg die Wanderer über den „großen Graben“, einen lang gezogenen Steinpass, der ein gewisses Maß an Kondition verlangte. Mit 2690 m wurde hier der höchste Punkte der Tour erreicht. Weiter ging es zum Galenberg und nach mehreren Windungen zum Birchbach oberhalb von Randa. Die Brücke über diesen wilden Gebirgsbach wurde immer wieder weggerissen, so dass nun eine ca . 80 m lange Hängebrücke gebaut wurde. Max. 4 Personen dürfen gleichzeitig die Hängebrücke betreten, verkündete ein Schild. Mit einem etwas mulmigen Gefühl, wurde der reißende Bach auf dieser schwankenden Brücke überquert.

Eine wackelige Angelegenheit, die Hängebrücke über den Birchbach

Noch 1 Stunden 20 Minuten bis zur Europahütte, verkündete ein Wegweiser an der „Domhüttenwegkreuzung“. Das schaffen wir auch noch. Eine Gruppe Engländer aus London kommt uns entgegen und will wissen, wie lange der Weg noch über diese Felsbrüche führt. Auch sie finden die Kletterei über die Felsbrocken ziemlich anstrengend. Ob sie von der Europahütte kommen und wie lange sie schon unterwegs sind, fragen wir. „Yes, but we are not the fastest group“ (Ja, aber wir sind nicht gerade die schnellste Gruppe) war die Antwort. Gut 2,5 Stunden sind sie unterwegs, in unsere Richtung sollen es aber nur noch ca. 1,5 Stunden bis zur Hütte sein. Wir weisen die Engländer noch auf die Steinschlaggefahr hin und wünschen ihnen viel Glück. In der Schweiz sind die angegebenen Gehzeiten nicht leicht zu unterbieten. Hinten im Tal und tief unter uns, erblicken wir nun Zermatt und das silberne Band der Gornergratbahn. Das Matterhorn hüllt sich noch immer in Wolken, nur die Spitze ragt etwas heraus. Noch eine letzte Wegbiegung und da liegt sie vor uns, mitten in den Felsbrocken, die 1998 erbaute Europahütte (2220 m). Sie wurde auf Stelzen gebaut, weil der Baugrund von Felsbrocken übersät ist und man keine Planierraupe in dieses unwegsame Gelände bringen konnte. Für 43 Personen bietet sie ein Nachtquartier. Wir haben Glück, die Hütte ist aufgrund der schlechten Wettervorhersage nur schwach belegt. Ein paar Amerikaner, eine Gruppe aus Ettlingen und wir sind die einzigen Gäste in dieser Nacht.

War das Wetter am Samstag entgegen der Vorhersage recht schön, traf der Wetterbericht am nächsten Morgen dann allerdings exakt zu. Es regnete und die Hütte war in dichte Wolken gehüllt. Werner Katz entschied, dass wir von der Hütte den zweistündigen Abstieg (gute 800 Höhenmeter) hinunter ins Tal nach Randa nehmen, weil unter diesen Wetterbedingungen eine Fortsetzung der Tour bis nach Zermatt nicht angebracht wäre. Also, Regenhülle über den Rucksack und die Regenjacke angezogen und los kann es gehen. Der Muskelkater vom Vortag macht sich beim Abstieg ganz schön bemerkbar. Ein mächtiger Steinbock kreuzt unseren Weg, aus ca. 25 Meter Entfernung mustert er uns in aller Ruhe und wartet bis wir weiter ziehen. In Randa besuchen wir den kleinen Friedhof bei der Kirche, dort ist eine Gedenktafel angebracht, für die 5 Nagolder Bergsteiger, die am 1. Sept. 1973 am Dom, dem höchsten Berg der Schweiz, tödlich verunglückt sind. Am kleinen Bahnhof treffen wir wieder die Amerikaner, die mit uns auf der Hütte übernachtet haben, auch sie hatten sich für den Abstieg entschieden. Bis nach Zermatt hat es nicht ganz gereicht, aber so ist das eben in den Bergen, man muss eine Tour auch abbrechen können, wenn das Wetter nicht mitspielt. Wir sind trotzdem zufrieden und treten die Heimreise an. Vom Rhone Tal, ging’s mit dem Autozug durch den Lötschberg-Tunnel nach Kandersteg ins Berneroberland und nördlich des Alpenhauptkamms schien auch schon wieder die Sonne durch die Wolken. Auf der Heimfahrt wurden bereits die Pläne fürs nächste Jahr geschmiedet. Das Wallis mit seinen Viertausendern ist das Revier von Werner Katz, dort zieht es ihn immer wieder hin. Lassen wir uns überraschen, was er uns als nächste Bergtour in der Schweiz vorschlägt, wir sind wieder dabei.